Lieblingsseite beim Baby: was Eltern beobachten und was sie tun können
Vielleicht ist es Ihnen beim Stillen aufgefallen, beim Wickeln oder auf Fotos: Ihr Baby dreht den Kopf fast immer zur selben Seite. Eine Seite geht leicht, die andere scheint es zu meiden. Viele Eltern in meiner Praxis in Gütersloh-Avenwedde beschreiben genau das als ersten Anlass, sich Rat zu holen. Eine Lieblingsseite ist in den ersten Lebensmonaten häufig. Ob sie harmlos ist, klärt die kinderärztliche Untersuchung, und sie verdient einen aufmerksamen Blick.
Als Lieblingsseite bezeichnet man eine deutliche Vorliebe des Babys, den Kopf zu einer Seite zu drehen oder ihn in Rückenlage bevorzugt auf einer Seite abzulegen. Sie fällt meist zwischen der zweiten und zwölften Lebenswoche auf. Oft steckt schlicht Gewohnheit dahinter: die Lage im Mutterleib, die bevorzugte Trageseite der Eltern, der Platz des Bettchens im Zimmer. Manchmal ist die Drehung zur anderen Seite aber auch tatsächlich eingeschränkt, etwa durch eine erhöhte Spannung in der Halsmuskulatur nach einer anstrengenden Geburt. Ob das der Fall ist, klärt zuerst die kinderärztliche Untersuchung.
Warum die Lieblingsseite einen Blick verdient
Der Schädel eines Säuglings ist in den ersten Monaten weich und wächst schnell. Liegt der Kopf über Wochen immer auf derselben Stelle, kann sich der Hinterkopf dort abflachen. Ob es bei einer Frage der Form bleibt und wie sich die Abflachung entwickelt, beurteilt die Kinderärztin oder der Kinderarzt. Bei lagerungsbedingten Abflachungen ist wechselnde Lagerung die erste Maßnahme. Je früher die Vorliebe bemerkt wird, desto einfacher lässt sie sich im Alltag ausgleichen. Deshalb lohnt es sich, hinzuschauen.
Drei Dinge, die Sie zu Hause beobachten können
Dreht sich der Kopf zu beiden Seiten gleich weit?
Halten Sie in Rückenlage ein Spielzeug oder Ihr Gesicht seitlich neben das Baby, erst links, dann rechts. Folgt es mit den Augen und dem Kopf zu beiden Seiten etwa gleich weit, spricht das für freie Beweglichkeit. Bleibt eine Seite deutlich zurück, notieren Sie sich das für den nächsten Termin bei der Kinderärztin oder beim Kinderarzt.
Wie liegt der Kopf, wenn das Baby schläft?
Schauen Sie über einige Tage, ob der Kopf immer zur gleichen Seite kippt, und tasten Sie den Hinterkopf vorsichtig ab: Fühlt sich eine Seite flacher an? Fotos von oben, im Abstand von zwei bis drei Wochen, machen Veränderungen sichtbar, die im Alltag untergehen.
Gibt es weitere Auffälligkeiten?
Trinkt Ihr Baby an einer Brust deutlich schlechter, überstreckt es sich häufig, oder wirkt ein Arm oder eine Körperhälfte weniger aktiv? Solche Beobachtungen gehören zuerst in die kinderärztliche Untersuchung. Sie helfen aber auch mir, bei einem Termin gezielt hinzuschauen.
Was Sie selbst tun können
Die Rückenlage zum Schlafen bleibt aus Sicherheitsgründen die Regel, daran ändert eine Lieblingsseite nichts. Innerhalb dieser Regel haben Sie Spielraum: Legen Sie das Baby im Bettchen abwechselnd mit dem Kopf ans Fuß- und ans Kopfende, damit Licht und Geräusche einmal von der einen, einmal von der anderen Seite kommen. Sprechen Sie es von der weniger beliebten Seite an, positionieren Sie Mobile oder Spielzeug dort, und tragen Sie es bewusst auch auf dem anderen Arm. Wache Bauchlage unter Ihrer Aufsicht, anfangs nur wenige Minuten, entlastet den Hinterkopf und stärkt die Nackenmuskulatur. Beim Stillen oder Füttern hilft es, die Seiten zu wechseln, auch wenn das Baby eine bevorzugt.
Wie ich damit arbeite
In meiner Praxis untersuche ich als Osteopath und Heilpraktiker, wie frei sich Kopf, Hals und Rumpf Ihres Babys bewegen lassen und ob sich Spannungsmuster zeigen, die zur bevorzugten Seite passen. Das Ergebnis dieser osteopathischen Einschätzung kann auch lauten, dass aus meiner Sicht nichts zu behandeln ist. Ob eine osteopathische Behandlung den Verlauf einer Lieblingsseite verändert, ist wissenschaftlich nicht belegt. Ich untersuche, was sich mit den Händen finden lässt, und sage Ihnen offen, was ich finde und was nicht. Sie als Eltern sind die ganze Zeit dabei, die Untersuchung richtet sich nach dem Rhythmus des Kindes, und gestillt oder pausiert wird, wann immer es nötig ist. Die Vorsorgeuntersuchungen bei Ihrer Kinderärztin oder Ihrem Kinderarzt bleiben die Grundlage; die U3 und U4 in den ersten Monaten sind genau der Ort, an dem eine Lieblingsseite angesprochen gehört. Ich verstehe meine Arbeit als Ergänzung dazu und arbeite bei Bedarf mit den behandelnden Ärzten zusammen. Für die Behandlung von Säuglingen trage ich das Qualitätssiegel Kinder-Osteopathie des VOD e.V. Wie ein Termin abläuft und was Sie mitbringen, lesen Sie auf der Seite Kinderosteopathie.
Osteopathie ersetzt keine kinderärztliche Untersuchung. Ob und wie eine Behandlung für Ihr Kind sinnvoll ist, klären wir im persönlichen Termin.
Sie sind unsicher, was Sie beobachten?
Sprechen Sie zuerst Ihre Kinderärztin oder Ihren Kinderarzt an. Wenn Sie danach eine osteopathische Einschätzung wünschen, schreiben Sie mir, ich melde mich persönlich.
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